Gefahr für Mobilität
und Selbstständigkeit
Mangelernährung im
Alter erhöht Risiko der Pflegebedürftigkeit
Bonn,
23.03.07 Mit steigender Lebenserwartung gewinnt auch das Thema Ernährung immer
mehr an Bedeutung. Schließlich gilt es, die eigene Gesundheit möglichst lange
zu erhalten, um den bevorstehenden Lebensabschnitt aktiv und lebenswert
gestalten zu können. Die Realität zeigt aber, dass viele Senioren zu wenig oder
das Falsche essen und damit ihre Selbstständigkeit im Alltag riskieren.
Wird der Körper nicht mehr ausreichend mit Energie, Eiweiß
und lebensnotwendigen Nährstoffen versorgt, drohen langfristig Muskelabbau und Schwächezustände.
Damit steigt nicht nur das Risiko von Stürzen und Knochenbrüchen, auch im Falle einer Verletzung oder Erkrankung stellt stark
abgebaute Muskulatur eine weitere Gefahr da. Schließlich benötigt der Körper
für Immunabwehr und Wundheilung große Mengen an Stickstoff, die er im
Muskelgewebe abbaut. Fehlen diese Reserven in Phasen besonderer Belastung,
beispielsweise bei Operationen, schweren Entzündungen oder Knochenbrüchen, kann
es zu einem übermäßigen Eiweißabbau in der Herz- und Atemmuskulatur kommen.
Chronische
Mangelernährung und ihre Folgen sind gravierend. Sie reichen von körperlicher
Schwäche, verstärktem Abbau geistiger Fähigkeiten und Depressionen
bis hin zur erhöhten
Pflegebedürftigkeit. Viele dieser Symptome werden oft als gewöhnliche
Alterserscheinungen verkannt. Angehörige und Ärzte sollten aufmerksam werden,
wenn aus einem kräftigen Menschen ein
zerbrechlich wirkender Senior wird. Wird eine Mangelernährung
nicht rechtzeitig erkannt und behoben, kann die Entkräftung des Körpers auch
mit einer Ernährungstherapie nicht mehr aufgehalten werden. Die zunehmende Schwäche
und Pflegebedürftigkeit in Verbindung mit einem wachsenden Ernährungsdefizit
bedeutet für viele Senioren auch den Verlust der Selbstständigkeit im Alltag. „So
betrachtet sind Altenheime oft das Sammelbecken für mangelversorgte, schwache Senioren,
bei denen es ambulant nicht mehr möglich ist, Ernährungsdefizite
auszugleichen“, betont Erhard Hackler, geschäftsführender
Vorstand der Deutschen Seniorenliga (DSL).
Auf Gewichtsverlust achten
Damit es gar nicht so weit kommt, sollten Angehörige die
Essgewohnheiten ihrer älteren Verwandten genau beobachten. Denn Mangelernährung
ist nicht einfach zu erkennen, da auch Senioren mit einem leichten Übergewicht
betroffen sein können. Wichtigstes Alarmsignal für eine Mangelernährung ist vielmehr
ein unbeabsichtigter Gewichtsverlust. Während bei jüngeren Erwachsenen eine
Abnahme von mehr als fünf Prozent des Körpergewichts innerhalb von drei Monaten
als relevant angesehen wird, ist bei älteren Menschen jeglicher auffällige
Gewichtsverlust ernst zu nehmen und zu hinterfragen. Ältere Menschen sollten
daher alle zwei Wochen ihr Gewicht kontrollieren und möglichst auch
dokumentieren.
Angesichts dieser Problematik sind
Angehörige, Betreuende und Pflegekräfte gefordert, erste Anzeichen einer
drohenden Mangel- und Unterernährung bei älteren Menschen ernst zu nehmen und
Maßnahmen zur Verbesserung der Ernährungsversorgung zu ergreifen. Informationen
hierzu bietet die DSL mit der Broschüre „Mangelernährung erkennen und vermeiden“.
Sie
ist kostenlos und kann postalisch angefordert werden bei der Deutschen Seniorenliga
e.V., Gotenstraße 164, 53175 Bonn oder im Internet unter www.dsl-mangelernaehrung.de abgerufen
werden.