Screening des Ernährungsstatus
Mangelernährung erkennen und behandeln
Bonn
04.05.05 Ebenso wie jüngere Menschen bauen Ältere zwar
verlorengegangene Körper- und Muskelmasse wieder auf, benötigen
aber deutlich mehr Zeit dafür. Daher ist es wichtig, eine Mangelernährung
möglichst früh zu erkennen. Voraussetzung hierfür ist, dass der
individuelle Ernährungsstatus des Patienten routinemäßig im Rahmen
der ambulanten wie auch der stationären medizinischen Betreuung
durch einfache Ernährungsparameter erfasst wird. Hierzu dienen standardisierte
Fragebögen wie zum Beispiel die Nutri-Risk-Analyse: Anhand von vier
Basisfragen kann festgestellt werden, ob ein älterer Patient bereits
akut gefährdet ist. Die Fragen beziehen sich auf den Body-Maß-Index
(BMI), Gewichtsveränderungen, das Essverhalten sowie akute Erkrankungen.
Die NutriRisk-Analyse ist für alle geriatrischen Patienten geeignet
und kann selbst von Angehörigen in wenigen Minuten durchgeführt
werden. Somit bietet sie die optimale Grundlage für die frühzeitige
Einleitung effektiver ernährungstherapeutischer Maßnahmen.
Mangelernährung wirksam entgegensteuern
Sind die Ausprägung der Mangelernährung und deren Ursachen abgeklärt, so kann mit einer Ernährungstherapie begonnen werden. Oberstes Ziel ist wieder eine regelmäßige Nahrungsaufnahme des Betroffenen zu erreichen. Hierfür sollte ein Ernährungsplan aufgestellt werden, der den individuellen Bedürfnissen des älteren Patienten entspricht. Häufig ist eine esstechnische Ernährungsumstellung, zum Beispiel auf „Fingerfood“ für Senioren, oder eine Anpassung der Speisen durch Andicken der Flüssigkeiten erforderlich. Die Lebensmittelauswahl sollte in enger Absprache mit dem Pflegepersonal erfolgen, das über die speziellen Probleme des Patienten informiert ist. Meist entspricht ein überschaubares Repertoire an traditioneller, regionaler Küche mit nährstoffdichten und schmackhaften Lebensmitteln den Vorlieben und Bedürfnissen älterer Menschen. Häufig muss zudem die individuelle Betreuung beim Essen verbessert und die tatsächliche Nährstoffzufuhr kontrolliert werden. Für ältere Menschen bilden die Mahlzeiten oftmals die Höhepunkte des Tages und tragen zu ihrem psychischen und sozialen Wohlbefinden bei. Aus diesem Grund sollte die orale Nahrungsaufnahme so lange wie möglich gewährleistet werden.
Ergänzende Ernährungstherapie
Ist eine ausreichende Versorgung über herkömmliche Lebensmittel nicht mehr möglich, sollte eine ergänzende Therapie mit bilanzierter Trink- und Zusatznahrung in Betracht gezogen werden. Hierdurch kann der Gewichtsverlust gesenkt, der Ernährungsstatus normalisiert und der Gesundheitszustand sowie die Rehabilitationsfähigkeit von älteren Patienten deutlich verbessert werden. Lässt sich das tägliche Energiedefizit auch durch eine gesteigerte orale Nahrungsaufnahme nicht dauerhaft beheben, ist eine Substitution durch eine bilanzierte Sondennahrung erforderlich. Hiermit sind viele Ärzte sowie Pfleger jedoch überfordert, da ihnen eine qualifizierte Weiterbildung zur Ernährungstherapie fehlt. Problematisch ist aber auch der zunehmende ökonomische Druck, der auf den Kliniken lastet: Bei Ausschreibungen in Krankenhäusern und Altenheimen erhalten meist Catering-Unternehmen den Zuschlag, die das beste Preis-Leistungs-Verhältnis anbieten. Die Anpassung des Speiseplans an die speziellen Bedürfnisse der älteren Patienten spielt eine eher untergeordnete Rolle. Dabei bedeutet die konsequente Umsetzung einer individuellen Ernährungstherapie ein ganz erhebliches finanzielles Einsparungspotential.
Die DSL hat daher gemeinsam mit Pfrimmer Nutricia die bundesweite Initiative „Mangelernährung im Alter“ gestartet. Ziel ist es, Angehörige, Ärzte und Pflegende für das Thema Mangelernährung zu sensibilisieren und ernährungsmedizinische Therapiemöglichkeiten aufzuzeigen. Hierzu bietet die DSL die Informationsbroschüre „Mangelernährung im Alter – Alarmsignale und Maßnahmen“ mit einem Fragebogen zur Erhebung des individuellen Ernährungsstatus an. Die Broschüre ist kostenlos und kann schriftlich bei der Deutschen Seniorenliga e.V., Gotenstr. 164 in 53175 Bonn oder im Internet unter www.dsl-mangelernaehrung.de angefordert werden. Zusätzlich steht sie im Internet als Download zur Verfügung. |